
Hinterlässt Covid-19 dauerhafte Spuren im Gehirn?
Seit Beginn der Pandemie hat Covid-19 Millionen von Menschen weltweit betroffen. Während die Atemwegsbeschwerden am bekanntesten sind, zeigen aktuelle Forschungen, dass das Virus auch das Gehirn langfristig beeinträchtigen kann – selbst nach der Genesung. Eine eingehende Analyse der Veränderungen der weißen Gehirnsubstanz bei ehemaligen Patienten offenbart subtile, aber signifikante Veränderungen, die bestimmte kognitive und psychiatrische Störungen erklären könnten, die nach der Infektion beobachtet werden.
Das Gehirn besteht aus Milliarden von Nervenfasern, die seine verschiedenen Regionen verbinden. Diese Fasern, sogenannte weiße Substanz, ermöglichen die schnelle Übertragung von Informationen. Fortgeschrittene Bildgebungstechniken wie die Magnetresonanztomographie ermöglichen die Untersuchung der Struktur dieser Fasern, indem sie die Diffusion von Wasser in ihrem Inneren messen. Bei Personen, die sich mit Covid-19 infiziert haben, wurden Veränderungen in mehreren Schlüsselbereichen festgestellt, insbesondere im Corpus callosum, das die beiden Gehirnhälften verbindet, sowie in den Thalamusstrahlungen und den Längsbündeln, die an Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Emotionen beteiligt sind.
Diese Veränderungen könnten mit der Art und Weise zusammenhängen, wie das Virus in das Nervensystem eindringt. Es ist mittlerweile bekannt, dass Covid-19 Neuronen entweder direkt infizieren oder eine übermäßige Entzündungsreaktion auslösen kann. Diese Entzündung sowie der dadurch verursachte oxidative Stress können die Nervenfasern schädigen und ihre Funktion beeinträchtigen. Die Folgen äußern sich manchmal in Gedächtnisstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, erhöhter geistiger Erschöpfung oder sogar depressiven oder ängstlichen Symptomen.
Studien zeigen, dass diese strukturellen Veränderungen im Gehirn bei Patienten mit schweren Krankheitsverläufen ausgeprägter sind, aber auch bei denen, die eine leichte Infektion durchgemacht haben, auftreten können. So wurden beispielsweise Veränderungen in Regionen wie dem orbitofrontalen Kortex und dem cingulären Kortex festgestellt, die eine Rolle bei der Regulierung von Emotionen und Entscheidungsfindung spielen. Diese Beobachtungen deuten darauf hin, dass selbst eine milde Infektion Spuren im Gehirn hinterlassen kann, die das mentale Wohlbefinden und die kognitiven Fähigkeiten langfristig beeinflussen.
Ein weiterer besorgniserregender Aspekt betrifft Menschen, die während der Infektion ihren Geruchssinn verloren haben. Forschungen deuten darauf hin, dass dieser Verlust mit Schäden in den mit dem Geruchssinn verbundenen Gehirnregionen zusammenhängen könnte, wie dem Riechkolben und den orbitofrontalen Regionen. Diese Veränderungen könnten auch lange nach dem Verschwinden anderer Symptome bestehen bleiben und die Lebensqualität beeinträchtigen.
Wissenschaftler betonen die Bedeutung einer langfristigen Nachsorge von Patienten, die sich mit Covid-19 infiziert haben, um die Entwicklung dieser Gehirnveränderungen und ihre Folgen besser zu verstehen. Diese Erkenntnisse eröffnen auch neue Ansätze, um mögliche Zusammenhänge zwischen Covid-19 und einem erhöhten Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie die Alzheimer-Krankheit zu untersuchen, auch wenn weitere Forschung erforderlich ist, um diese Hypothese zu bestätigen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich Covid-19 nicht auf die Atemwege beschränkt. Seine Auswirkungen auf das Gehirn, obwohl oft unsichtbar, können tiefgreifend und langanhaltend sein und Kognition, Stimmung und Verhalten beeinflussen. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung, neurologische Folgen in der Betreuung von Patienten zu berücksichtigen – selbst nach ihrer scheinbaren Genesung.
Sources du site
Source officielle de l’étude
DOI : https://doi.org/10.1007/s11682-026-01084-3
Titre : Brain microstructural alterations in COVID-19: a systematic review of diffusion weighted imaging studies
Revue : Brain Imaging and Behavior
Éditeur : Springer Science and Business Media LLC
Auteurs : Ali Jahanshahi; Soheil Mohammadi; Mohammad Amin Salehi; Mahsa Dolatshahi; Sina Mirakhori; Negin Frounchi; Seyed Sina Zakavi; Hamid Harandi; Hosein Ghasempour; Cyrus A. Raji